Fotojournalisten, schont unsere zarten Seelen!

Ein Aufschrei geht durch die Welt. Brutale Bilder eines toten syrischen Flüchtlingsjungen lassen eine Debatte über die Macht der Bilder aufleben. Sind die Bilder zu hart für unsere Welt? Brauchen sie einen Warnhinweis? Dürfen solche Fotos überhaupt in den Medien gezeigt werden? Sie müssen! Sie sind Realität und zeigen uns nur, dass wir noch immer sehr gut darin sind die Augen zu verschließen. Längst ist die sogenannte Flüchtlingskrise nicht mehr nur Teil der Abendnachrichten, sondern direkt vor unserer Haustür angekommen. Und noch immer fühlt sich alles ganz weit weg an.

Der kleine Junge liegt in seinem roten T-Shirt am Strand. Fast friedlich liegt er da. Die Arme anliegend, die Kleidung umhüllt nass seinen Körper. Muss man eine Mutter sein, um bei diesem Anblick in Tränen auszubrechen? Braucht es so ein Foto, um die Realität in sein Herz zu lassen? Was man auf diesem Foto nicht sieht, ist der Todeskampf, den dieser Junge hinter sich hat. Die Situation, als die Familie merkt, dass das Boot sie nicht sicher ans Ufer bringen wird. Die Verzweiflung, die sie erlebt haben müssen, als sie ins bitterkalte Wasser fielen, als die Eltern realisiert haben, dass sie ihren Kindern nicht die Hoffnung auf ein besseres Leben erfüllen können, ein Leben ohne den ständigen Begleiter Angst, eine unbeschwerte Kindheit. Den Moment, als die Eltern realisiert haben müssen, dass sie ihren Kindern das Gegenteil erlebbar machen werden, dass sie sie nicht retten können. Das alles, zeigt dieses Foto nicht. Es zeigt ein Kind, am Strand. Das Foto zeigt keine brutale Szene, kein Blut, keine Verstümmelung. Es zeigt auf! Es eröffnet uns all das, was hinter dem Foto sichtbar wird. Das, was wir eigentlich nicht sehen wollen.

Ja, es ist eine Leiche. Das es eine Kinderleiche ist, nimmt uns sicherlich noch mehr mit, denn wir haben den inneren Drang, ob Eltern oder nicht, zu beschützen, was schutzlos ist. Kinder sind zu beschützen. Noch dazu, hat sich dieses Kind wohl nicht selbst und aus eigenen Stücken entschlossen zu fliehen. Seine Eltern nahmen es mit auf die Reise und es folgte, denn Eltern beschützen. Dieses Bild erzeugt Emotionen, die unangenehm sind. Ist dieses Foto unwürdig? Ja, das ist es. Es ist unwürdig die Leiche eines Kindes zu fotografieren und die Abbildung zu veröffentlichen. Doch all das, was hinter diesem Foto steckt kann an Unwürdigkeit nicht übertroffen werden. Menschen fliehen panisch aus ihren Ländern, denn sie können dort nicht leben und werden an Grenzen mit Waffen zurückgehalten, weil… ja, warum eigentlich? Weil wir es nicht schaffen, die Augen zu öffnen und unser gesichertes, friedliches Leben zu teilen? Weil wir unser stabiles Europa nicht öffnen wollen für das Schlechte in der Welt, an dem wir mitverantwortlich sind? Weil es uns zu viel ist, zu helfen? Weil wir „nicht alle aufnehmen können“?
Wir genießen die Vorteile der Globalisation und verschrenken die Arme, wenn es um die Nachteile geht. Wir vernetzen uns mit allem und jedem und kappen die Verbindung, wenn wir etwas leisten sollen!

Ich nutze Medien täglich und vielfach und dennoch erreichte mich diese Debatte erst Tage später. Ein Foto erzeugt einen Aufschrei und kommt dennoch nicht bei jedem und jeder an. Als ich es sah, habe ich geweint. Minutenlang starrte ich auf den Bildschirm, konnte es nicht fassen und habe geweint. Dass es nicht jedem und jeder so geht, kann ich nicht verstehen.

Ich bin ein besorgter Wutbürger! Ich bin in Sorge und ich bin wütend! Sind die Kriegsjahre in Deutschland zu lange her? Gibt es kaum noch überlebende Großväter und -mütter, die ihre grausamen Geschichten vom nackten Überleben zu überliefern haben? Oder gibt es einfach keinen mehr, der das hören möchte? Wir leben in Frieden und jeden Tag bin ich dafür dankbar. Für Demokratie und Freiheit. Das ist weltweit gesehen keine Selbstverständlichkeit. Ich bin in Sorge, dass sich das ändert. Dass die Kinder, die in Europa aufwachsen werden, zukünftig Angst um ihre Leben haben müssen. Dass irgendwann wir diejenigen sein werden, die auf der Flucht sind. Und ich bin wütend auf all diejenigen, die all unsere Werte, unsere Freiheit und unseren Frieden mit Füßen treten. Die meinen, sie müssten mal den Mund aufmachen und sagen, was alle denken und sich nicht trauen auszusprechen. All diejenigen, die Angst um ihre Arbeit und ihr schönes vieles Geld haben. Die Angst haben vor Menschen, die das Schlimmste durchlebt haben, die sich nach Sicherheit sehnen, nach Frieden.
Ich habe Angst, dass mein Kind irgendwann an Stelle des kleinen syrischen Jungen am Strand liegt, die Welt auf sein Foto schaut und dann darüber diskutiert, ob es nicht zu grausam sein mag sich dieses Bild anzusehen, anstatt zu trauern und aus tiefster Seele um es zu weinen.

Warum ich (immer noch) mit Nazis diskutiere

Mit Nazis diskutiert man nicht, über Nazis lacht man“ – so heisst ein weit verbreitetes Credo. Das Aufkeimen des Rassismus  und der massiven Aggressivität gegenüber Flüchtlingen in den letzten Monaten, nicht nur, aber auch in den sozialen Medien, hat mich dazu gebracht, diese Haltung zu reflektieren. Wie geht man mit diesem Hass und den Vorurteilen in dieser neuen Qualität um, was kann man dagegen tun? Ich habe versucht, für mich darauf eine Antwort zu finden.

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Die SPD und die Vorratsdatenspeicherung

Die Union hat es also mal wieder geschafft: Die Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung ist so gut wie auf dem Weg. Über die Sinnhaftigkeit der VDS braucht man nicht mehr viel Worte verlieren, dies wurde an anderer Stelle schon mehrfach getan: Sie verletzt Grundrechte, dem Missbrauch der personenbezogenen Daten wird Tür und Tor geöffnet, auch die neue Regelung entspricht aller Voraussicht nach nicht den Vorgaben des EuGH und Strafverfolger konnten bisher nicht nur keinen Nachweis für ihre Effektivität erbringen, schlimmer noch, Studien bescheinigen ihr Wirkungslosigkeit.

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Ab jetzt gilt „Drei BIER sind auch eine VEGANE Mahlzeit“

Ich trinke gerne Bier. Bier ist an sich für Veganer auch kein Problem, da als Zutaten ausschließlich Wasser, Hopfen, Gerste, Hefe und ab und an Zucker erlaubt sind. Das gilt zumindest für alle Biersorten aus Deutschland und Österreich, da hier das Reinheitsgebot gilt. Bei ausländischen Bieren kann dies nich so einfach gelten, da gilt es immer vorab die Zutatenliste zu prüfen. Aber auch bei heimischen Bieren gibt es das Problem des Klebers, der zum Anbringen der Etiketten verwendet wird. Ab jetzt gilt „Drei BIER sind auch eine VEGANE Mahlzeit“ weiterlesen