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Die morderne Sklaverei

„In dem Moment, in dem ein Sklave beschließt, kein Sklave mehr zu sein, springen seine Ketten.“
Gandhi

Die Tageszeitung ‚Die Welt‘ titelte 2008 „Noch nie gab es so viele Sklaven wie heute“, aber wie kann das sein?

Die Geschichte der Sklaverei beginnt eigentlich schon im Altertum, also etwa 4000 vor Christus. Sklaven und Sklavinnen bildeten zum Beispiel im Alten Ägypten eine große gesellschaftliche Schicht. Der Beginn des Baus der Pyramiden etwa 2707 v. Chr. wäre in diesem Maße ohne die Sklaverei kaum möglich gewesen. Später, um 800 v. Chr. war sowohl im antiken Griechenland als auch im Römischen Reich die Schuldsklaverei rechtlich verankert. Schuldsklaverei bedeutet, dass ein Schuldner seinem Gläubiger die entstandene Schuld abarbeiten muss. Nach römischem Recht hatte der Sklave/die Sklavin weder Persönlichkeit noch Rechtsfähigkeit. Sklavenkinder waren von Geburt an Sklaven.

Im Mittelalter wurde die Sklaverei durch den Feudalstaat abgelöst, indem sich das System der Leibeigenschaft entwickelte. Leibeigenschaft bezeichnet eine weit verbreitete persönliche Abhängigkeit von Bauern von ihrem Grundherrn. Grundsätzlich aber ist die Leibeigenschaft als gegenseitige Verpflichtung zu verstehen. Während der Leibherr militärischen und juristischen Schutz gewährte, entrichtete der Leibeigene Abgaben an seinen Herrn. Allerdings war der Leibeigene auch der Jurisdiktion seines Grundherrn unterstellt.

Während nach dem 10. Jahrhundert weltweit der Sklavenhandel wegen immer weiterer Transportwege unrentabel wurde und somit zurückging, blühte im Mittelmeerraum der Menschenhandel mit Menschen des afrikanischen Kontinents auf. In Afrika hatten die Portugiesen bereits um 1400 begonnen erste Einwohner gefangen zu nehmen und diese als Haussklaven und -sklavinnen nach Lissabon zu verschleppen. Mit der Kolonialisierung Amerikas Ende des 15. Jahrhunderts begann das brutalste Kapitel der Geschichte der Sklaverei. Zuerst entstanden riesige Plantagen auf den karibischen Inseln. Zu Millionen starben die Sklaven und Sklavinnen an den eingeschleppten europäischen Krankheiten wie Masern und Pocken. Dies führte zu einem immer größeren Bedarf an neuen Arbeitskräften. Allein in die Karibik wurden im 16. und 17. Jahrhundert fortan über 600.000 AfrikanerInnen verschleppt. Schließlich entwickelt sich der sogenannte Dreieckshandel. Aus Europa werden billige Waren wie Flinten oder Schnaps auf dem afrikanischen Kontinent in Sklaven und Sklavinnen eingetauscht. Man begann fortan die Menschen zu jagen, um sie am Strand in sogenannten Faktoreien zu sammeln. Daraufhin wurden sie auf ihre Tauglichkeit überprüft und mit heißen Eisenstangen das Zeichen der jeweiligen Handelsgesellschaft eingebrannt. Den zusammengestellten Transport verkauften die Händler an Sklavenschiffe. Diese fuhren anschließend nach Amerika, um dort ihr „Gut“ gegen Silber und Gold, später auch gegen Zucker, Rum, Baumwolle, Kaffee und Tabak zu handeln, welches schließlich teuer in Europa verkauft wurde. Der entstandene Gewinn überzeugt auch Skeptiker von sich und so gibt auch Königin Elisabeth I. schnell ihre anfängliche Ablehnung gegen den Sklavenhandel auf, denn auch die involvierten britischen Handelskompanien profitieren. 1619 schließlich gehen auch die ersten Sklaven und Sklavinnen in Nordamerika von Bord. Es gab nun besondere Gesetze, die ihren rechtlichen, politischen und sozialen Status gegenüber ihren Besitzern regelten. Ob diese Rechte ausgeübt werden konnten, lag allerdings allein in den Händen der Besitzer. Folglich hatte der afrikanische Kontinent mit erheblichen Menschenverlusten zu kämpfen. Die Gesündesten und Stärksten wurden verschleppt und gingen über Generationen verloren. Nach Schätzungen musste Afrika durch den Sklavenhandel 50 Millionen Menschen entbehren, hier werden auch Menschen einbezogen, die im Kampf gegen Sklavenhändler, während der Überfahrt, auf der Flucht oder durch Selbstmord starben. Ende des 18. Jahrhunderts endlich entstand aus den liberalen und christlichen Vorstellungen der Aufklärung die Abolitionsbewegung. Während 1792 Dänemark als erstes europäisches Land den Sklavenhandel abschaffte, dauerte es in Brasilien bis 1888. Aber erst 1926 sah eine Konvention des Völkerbundes, welcher geschaffen wurde, um weltweiten Frieden zu sichern, ein Verbot für jede Form von Sklaverei vor. 1839 gründete sich die weltweit älteste Hilfsorganisation mit dem Namen „Anti-Slavery International“. Dennoch war es noch ein langer Weg bis die Vereinten Nationen 1948 mit der Allgemeinen Menschenrechtserklärung 30 Artikel, die die Grundlage für Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden in der Welt schaffen sollten, verabschiedeten.

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Was genau ist nun eigentlich ein Sklave oder eine Sklavin? Dieser Mensch wurde seiner Freiheit beraubt, er oder sie ist also völlig wehr- und rechtslos. Zu früheren Zeiten wurde diese Frau oder dieser Mann als Sache behandelt und war Eigentum eines anderen Menschen, der Gewalt über sie oder ihn ausübte, ohne dafür Verantwortung tragen zu müssen. Insofern konnten sie ge- und verkauft werden, getauscht, verschenkt oder als Pfand für Schulden hinterlegt werden, ohne, dass sie dagegen hätten Einwände erheben können. Häufig unterschieden sich SklavenhalterInnen und Sklaven/ Sklavinnen in ihrer ethnischen Herkunft. Dies dient somit (auch heute noch) als Grundlage für „Rassenvorurteile“ oder die Privilegierung von bestimmten ethnischen Gruppen und somit zur Rechtfertigung der Sklaverei.

Kaum zu glauben, dass sich bis heute Menschen in einer derartigen Abhängigkeit befinden sollen, wo doch, wie wir eben gehört haben, die Sklaverei längst abgeschafft wurde und in allen Staaten der Welt mittlerweile offiziell als verboten gilt. Die sogenannte „moderne Sklaverei“ hat ihre Ursache hauptsächlich in der Bedürftigkeit einiger Menschen oder sogar ganzer Gruppen, wie zum Beispiel ethnischer Minderheiten, die durch die Gesellschaft als minderwertig bezeichnet werden. „Moderne Sklaven oder Sklavinnen“ sind laut einem in der Tageszeitung ‚Die Welt‘ erschienenen Interviews mit dem amerikanischen Journalisten E. Benjamin Skinner, „Menschen, die durch Täuschung und Androhung von Gewalt zu Arbeit gezwungen werden und nur das erhalten, was sie zum Überleben benötigen“. Kauft jemand heutzutage einen Sklaven oder eine Sklavin verlangt er keine Eigentumsurkunde, sondern erwirbt Verfügungsmacht über einen Anderen und setzt Gewalt ein, um diese aufrecht zu erhalten. In Wirklichkeit ist es für moderne SklavenhalterInnen also sogar von Vorteil, nicht rechtmäßige/r Besitzer/in zu sein, um keine wie auch immer geartete Verantwortung für sie übernehmen zu müssen. Die neu gegründete australische Stiftung „Walk Free“ berichtet im Oktober 2013 von 29 Millionen Sklaven weltweit, wobei die Dunkelziffer mit Sicherheit weitaus höher liegt. Auch die schon erwähnte NGO (Nichtregierungsorganisation) „Anti-Slavery International“ kämpft weiterhin für eine Welt ohne Sklaverei, indem sie Ursachen und Hintergründe der modernen Sklaverei erforscht und publik macht, Druck auf Regierungen und Unternehmen ausübt, sowie Partnerorganisationen unterstützt, sie sich vor Ort für die Sklaven und Sklavinnen einsetzen. Problematisch ist vor allem offensichtlich geduldete Sklaverei wie zum Beispiel in Indien. Dort ist die sogenannte Erbliche Schuldknechtschaft zwar seit 1976 illegal, aber immer noch präsent. Skinner berichtet außerdem von ersichtlichem Handel mit Menschen: „1850 konnte man einen gesunden Mann für umgerechnet 30.000 bis 40.000 Dollar kaufen. (…) Im Jahr 2005 hätte ich in Haiti (…) ein kleines Mädchen für etwa 50 Dollar kaufen können. Sie wurde mir explizit für häusliche und sexuelle Dienste angeboten.“ Häufig werden Kinder von ihren Eltern verkauft, weil ihnen eine Verantwortung vorgetäuscht wird, die sie dazu veranlasst ihren Kindern ein „besseres“ Leben ermöglichen zu müssen. Entschädigt werden sie mit wenigen Dollar. Und während sie glauben, ihren Kindern einen Gefallen getan zu haben, arbeiten diese in Bordellen, sind DarstellerInnen in Kinderpornos oder leisten harte Kinderarbeit. Oftmals geschieht dies auch im Einverständnis mit den Eltern, was darauf beruht, dass sie sich durch Überschuldung, Schuldknechtschaft oder andere Nöte dazu gezwungen fühlen. Ein in die Zwangsehe verkauftes Mädchen stellt ebenso eine „moderne Sklavin“ dar, wie Menschen mit Behinderung, die verkauft werden, um das gesellschaftliche Ansehen der Familie nicht zu gefährden oder der Bedürftige, der auf der Straße einen Hungerlohn erbettelt, um diesen abzugeben und von seinem „Besitzer“ mit dem Nötigsten abgespeist zu werden.
Im November 2013 erst wurden drei Frauen befreit, die 30 Jahre lang in einem Haus festgehalten wurden. Die Eigentümer wurden wegen Sklavenhaltung und Leibeigenschaft verhaftet.

Wer demnächst in Großbritannien sein sollte, kann die Geschichte der Sklaverei und damit verbundene Themen im „International Slavery Museum“ in Liverpool vertiefen. Das am 23. August 2007 eröffnete Museum (http://www.liverpoolmuseums.org.uk/ism/index.aspx) beschäftigt sich vielfältig mit den Aspekten der Sklaverei und stellt diese in Ausstellungen, Vorführungen und Interaktionen anschaulich dar. Auch im französischen Nantes hat 2012 europaweit das erste Mahnmal für die Abschaffung der Sklaverei eröffnet. Wo früher Sklavenschiffe anlegten, steht heute eine Installation (http://de.nantes-tourisme.com/mahnmal-zur-abschaffung-der-sklaverei-40881.html). 1710 eingelassene Platten im Pflaster erinnern an die Namen der Schiffe. Auch die „moderne Sklaverei“ sollte in unseren Köpfen präsent sein. Denn nicht überall geht es den Menschen so gut wie uns. Und so schlecht es vielen von uns geht, während wir zumindest unsere Freiheit besitzen, müssen aktuell mindestens 29 Millionen weltweit darauf verzichten!

Quellen:

Clary, Elisalex (2008): „Noch nie gab es so viele Sklaven wie heute“. URL: http://www.welt.de/politik/article2759571/Noch-nie-gab-es-so-viele-Sklaven-wie-heute.html [Stand: 08.01.2014]

„Walk free“, Initiative von „Hope for Children Organisation Australia Ltd.“ URL: http://www.walkfree.org/ [Stand: 08.01.2014]

Anti-Slavery International (o.J.): history of slavery international. Timeline: 170 years of fighting slavery. URL: http://www.antislavery.org/english/what_we_do/our_history.aspx [Stand: 08.01.2014]

 

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